La maison de la radio – Talk mit Nicolas Philibert

 Alle Filme, Berlinale 2013  Kommentare deaktiviert für La maison de la radio – Talk mit Nicolas Philibert
Feb 142013
 

 

Gespräch mit dem Regisseur Nicolas Philibert im Kino International während der Berlinale 2013.

Zu den einzelnen Fragen im Video springen:

  1. Wie sind Sie auf die Idee gekommen, über das Thema Klang und das Radio ausgerechnet einen Film zu drehen?
  2. Gehört Radio France zu Ihren Lieblingsprogrammen oder warum haben sie diesen Sender porträtiert?
  3. Wie lange haben Sie insgesamt bei Radio France gedreht?
  4. Wenn Sie sechs Monate dort gedreht haben: Haben Sie etwas entdeckt, was typisch für Radiomacher ist – machen die etwas anders in ihrer Arbeit als Journalisten?
  5. Print und TV geht es schlecht – wie sieht es beim Radio aus? Man hat ja den Eindruck, Radiohörer sind ihren Sendern besonders treu. Und könnte Radio vielleicht auch ein Zukunftsmedium sein, weil wir es parallel mit dem Internet nutzen können?
  6. Stimmt es, dass Sie Ihre Filme selbst schneiden?

La maison de la Radio

 Alle Filme, Berlinale 2013  Kommentare deaktiviert für La maison de la Radio
Feb 142013
 

Meine Kritik ist auch als Gastbeitrag auf radio-machen.de erschienen

Eine warme Stimme ertönt aus den Lautsprechern im Studio. Der Erzähler im Hörspiel arbeitet sich Satz für Satz durch das Skript. Die Redakteurin runzelt die Stirn und unterbricht den Sprecher freundlich: Sie ist noch nicht zufrieden. Der Sprecher beginnt noch mal von vorn. Und noch mal.

Wohl kaum ein Zuschauer hat hier irgendeinen Schnitzer beim Sprecher gehört. Im Film „La maison de la radio“ des französischen Regisseurs Nicolas Philibert („Être et avoir“) soll einfach klar werden: Hier beim Radio sind eben Perfektionisten am Werk.

“Radiomacher sind nicht so arrogant”

Freundlich, aber nicht arrogant: Die Moderatorin spricht das Seewetter bei Radio France

 

Ein halbes Jahr lang hat Philibert immer wieder im Haus des Radios, dem Funkhaus von Radio France, gedreht. 24 Stunden im Leben von Radio France sind daraus geworden. Sein Film ist – das darf ich vorweg nehmen – eine Hommage an die Soundkünstler und Dauertalker, an die Musikverrückten und Nervenstarken in den hektischen Aktuell-Redaktionen. Philibert liebt die Radioleute, weil die Radioleute ihren Beruf lieben. Die Radiomacher, sagt er im Gespräch mit dem Berlinale-Publikum, seien nicht so arrogant wie die Fernsehleute.

Authentisch

Sein Film beginnt in der Prime Time des Radios: Wir springen mit ihm durch die verschiedenen Frühsendungen der Radio France-Sender. Erste Verblüffung für mich als Radiomacherin: Unglaublich wie sich deutsche und französische Rundfunkhäuser von innen ähneln – von der Einrichtung bis hin zur exakt gleichen Digitaluhr. Da bekommen die Radioleute gleich heimatliche Gefühle. Und die Radiohörer einen sehr authentischen Einblick ins Geschehen.

Eine Million tote Sardinen

Als Zuschauer treffen wir die quirlige Redakteurin, die für ihre Sendung bei Radio France Inter die Themen plant: Ein Bericht über den vierten Mord innerhalb kurzer Zeit? Der Streik beim Flugpersonal? Oder wie wäre es mit einer Million toten Sardinen am Strand von Los Angeles? Wir begleiten den Reporter, der live vom Motorroller über ein Headset mit Mikrofon über das Radrennen berichtet. Radio in seiner stärksten Form: Unmittelbar vor Ort. Und wir treffen den Musikredakteur – kaum zu sehen hinter seinen CD-Stapeln – der uns seine Liebe zu jedem noch so abwegigen Stück in seiner Sammlung erklärt.

Den Sound zelebrieren

Was wir sehen, befriedigt die Neugier. Es macht Spaß, mit dem Blick Philiberts durch die unendlich vielen Gänge des Funkhauses zu laufen. Der Filmemacher vergisst bei seiner Hommage natürlich nicht, das einzusetzen, was Radio ausmacht: Den Sound. Bei der Hörspielproduktion wie bei der Jazzmusikaufnahme und sogar beim Gewinnspiel vor Publikum wird der Sound in dem Film zelebriert.

Musik bis an die Halskrause - Musikredakteur bei Radio France

Musik bis an die Halskrause – Musikredakteur bei Radio France

“Was die alles so machen!”

Klar ist aber auch: „La maison de la radio“ zeigt die öffentlich-rechtliche Seite des Radios. Was alles beim Radio noch selbst produziert werde, sagte meine Mitguckerin im Berliner Kino International, das habe sie am meisten erstaunt. Dass Geräusche und klassische Musikproduktionen tatsächlich noch selbst in den Sendern entstehen. Dass es noch eigene Chöre gibt. Ihre Worte bestätigen meinen Eindruck: Nicolas Philibert zeigt uns ein Radio, das immer mehr bedroht ist. Ein Radio, in dem die große und kleine Kultur gepflegt wird. In dem noch lange Interviewstrecken Platz haben.

Nur eine Art des Radios

Kritiker werden ihm vorwerfen, dass sein Blick auf das Radio einseitig öffentlich-rechtlich sei. Niemand muss hier moderieren und gleichzeitig seine Sendung selbst fahren. Diesen Vorwurf steckt Philibert aber locker weg: Im Gespräch mit den Berlinale-Zuschauern betonte der Regisseur, er habe keinen analytischen Film über den Radiomarkt machen wollen.

Ein Denkmal für die Radiomacher

Philibert wollte seine Faszination für das Medium darstellen. Das ist ihm gelungen. Wie heißt es in der Ankündigung der Berlinale so schön abschließend: Den eifrigen Radiomachern setzt Philibert ein Denkmal. Jawohl, ein visuelles und akustisches. Hoffentlich bleiben sie trotzdem noch lange am Leben.

DeAD

 Alle Filme, Berlinale 2013  Kommentare deaktiviert für DeAD
Feb 132013
 

 

„DeAD“ ist der erste lange Film von Regisseur Sven Halfar. Der Film ist eine Rachegeschichte mit schönen Ideen. Leide geht die Mischung aus Tarantino und Haneke-Versatzstücken nicht immer auf. Gesehen auf der Berlinale 2013 in der Reihe Perspektive Deutsches Kino.

Was weniger gut war… (Oberhausen 2012)

 Alle Filme, Oberhausen 2012  Kommentare deaktiviert für Was weniger gut war… (Oberhausen 2012)
Mai 052012
 

2012.
50 Jahre Oberhausener Manifest.
58 Jahre Kurzfilme. Das älteste Kurzfilmfetival der Welt.
Und wir sind zum ersten Mal dabei, sehen uns an 2 Tagen 29 Kurzfilme an, aus den Wettbewerbskategorien International, Deutsch und NRW.
Darunter Kurioses, Bedeutungsüberfrachtetes, Berührendes, Nichtssagendes.
Das Festival für die „kurze Form“ präsentiert sich zu einem großen Teil als Plattform für Videokunst, non-narrative Formate sind sehr präsent. Das Problem: Darunter sind leider auch viele sehr selbstzweckhafte  Arbeiten, deren Intention sich wenig auf die Zuschauer überträgt (dies ist auch rund um den eigenen Kinosessel herum zu vernehmen). Man muss nicht alles auf Anhieb verstehen. Aber öde und langweilig sollte es nicht sein. In der anschließenden Diskussion mit den Filmemachern werden die Werke mal völlig vergeistigt, mal banal besprochen; etwa zu einem Animtationsfilm mit leuchtenden Farben: „Farben sind bei Dir ja sehr wichtig“. Es zeigt sich: Sparsam mit Bildern und Inhalten hantieren, heißt eine umso längere Diskussion herbeizuführen – jeder kann schließlich alles reindeuten und entsprechend lange darüber reden (über seine Gedanken, nicht über den Film)…
Dazu kommen sehr vorurteilsbehaftete Herangehensweisen mancher Moderatoren, z.B. bei „Zucht und Ordnung“ (unser Video-Interview mit dem Regisseur), eine Doku über ein S/M-Rentner-Paar : „Hattest Du Angst, dass die beiden Dich in ihre Praktiken miteinbeziehen wollen?“, „Wie kommt man auf so eine Idee… als, ähh, wahrscheinlich Arbeiterjunge aus Chemnitz?“ (weil der Regisseur unverkennbar Sachse ist).
Puh.
Also nicht nur Avantgarde in Oberhausen. Bleibt nur die Frage, ob mehr oder weniger davon besser wäre…

Was noch gut war… (Oberhausen 2012)

 Alle Filme, Oberhausen 2012  Kommentare deaktiviert für Was noch gut war… (Oberhausen 2012)
Mai 052012
 

Eine wunderschöne Doku in Oberhausen war der Kurzfilm Sterben nicht vorgesehen von Matthias Stoll. Weil kreativ, weil berührend und mit einer persönlichen Geschichte, die doch für ganz viele steht.
In ruhigem Ton und in lakonischem Stil erzählt Stoll von seinem Vater. Und von seinem Verhältnis „zum Alten“, der wegen seiner Krankheit gar nicht alt werden konnte. Wie ein Faustschlag, die Nachricht vom Tod des Vaters in einer Email – die Stoll erreicht, als er Tausende Kilometer weit weg ist. Unterwegs die Freiheit, zu erkunden. Formal ist der Kurzfilm so wahnsinnig inspirierend: Der Autor spielt hier mit allen Mitteln und bringt uns seinen Vater und die Beziehung zu ihm ganz nahe: Mit altem Videomaterial, mit Fotos, mit poetischen Aufnahmen alter Männer, mit Animationen. Ein wunderbarer Film, entstanden an der Kunsthochschule Köln.

Genau wie Ein Schuh geht barfuss. Die Studienkollegin von Stoll liefert mit ihrem Film urkomische Poesie in Kurzfilm-Form: Jie Lu erzählt, was alle Mädchen wissen: Jungs haben viel zu oft doofe Ausreden, wenn es ernst wird mit der Liebe. Die Ironie schlängelt sich durch Lus liebevoll animierte Pappfiguren und die wunderbar trotzigen Kinderdarsteller. Eine Welt, die ein bisschen an Amélie erinnert. Seufz.