Was weniger gut war… (Oberhausen 2012)

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Mai 052012
 

2012.
50 Jahre Oberhausener Manifest.
58 Jahre Kurzfilme. Das älteste Kurzfilmfetival der Welt.
Und wir sind zum ersten Mal dabei, sehen uns an 2 Tagen 29 Kurzfilme an, aus den Wettbewerbskategorien International, Deutsch und NRW.
Darunter Kurioses, Bedeutungsüberfrachtetes, Berührendes, Nichtssagendes.
Das Festival für die „kurze Form“ präsentiert sich zu einem großen Teil als Plattform für Videokunst, non-narrative Formate sind sehr präsent. Das Problem: Darunter sind leider auch viele sehr selbstzweckhafte  Arbeiten, deren Intention sich wenig auf die Zuschauer überträgt (dies ist auch rund um den eigenen Kinosessel herum zu vernehmen). Man muss nicht alles auf Anhieb verstehen. Aber öde und langweilig sollte es nicht sein. In der anschließenden Diskussion mit den Filmemachern werden die Werke mal völlig vergeistigt, mal banal besprochen; etwa zu einem Animtationsfilm mit leuchtenden Farben: „Farben sind bei Dir ja sehr wichtig“. Es zeigt sich: Sparsam mit Bildern und Inhalten hantieren, heißt eine umso längere Diskussion herbeizuführen – jeder kann schließlich alles reindeuten und entsprechend lange darüber reden (über seine Gedanken, nicht über den Film)…
Dazu kommen sehr vorurteilsbehaftete Herangehensweisen mancher Moderatoren, z.B. bei „Zucht und Ordnung“ (unser Video-Interview mit dem Regisseur), eine Doku über ein S/M-Rentner-Paar : „Hattest Du Angst, dass die beiden Dich in ihre Praktiken miteinbeziehen wollen?“, „Wie kommt man auf so eine Idee… als, ähh, wahrscheinlich Arbeiterjunge aus Chemnitz?“ (weil der Regisseur unverkennbar Sachse ist).
Puh.
Also nicht nur Avantgarde in Oberhausen. Bleibt nur die Frage, ob mehr oder weniger davon besser wäre…

Was noch gut war… (Oberhausen 2012)

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Mai 052012
 

Eine wunderschöne Doku in Oberhausen war der Kurzfilm Sterben nicht vorgesehen von Matthias Stoll. Weil kreativ, weil berührend und mit einer persönlichen Geschichte, die doch für ganz viele steht.
In ruhigem Ton und in lakonischem Stil erzählt Stoll von seinem Vater. Und von seinem Verhältnis „zum Alten“, der wegen seiner Krankheit gar nicht alt werden konnte. Wie ein Faustschlag, die Nachricht vom Tod des Vaters in einer Email – die Stoll erreicht, als er Tausende Kilometer weit weg ist. Unterwegs die Freiheit, zu erkunden. Formal ist der Kurzfilm so wahnsinnig inspirierend: Der Autor spielt hier mit allen Mitteln und bringt uns seinen Vater und die Beziehung zu ihm ganz nahe: Mit altem Videomaterial, mit Fotos, mit poetischen Aufnahmen alter Männer, mit Animationen. Ein wunderbarer Film, entstanden an der Kunsthochschule Köln.

Genau wie Ein Schuh geht barfuss. Die Studienkollegin von Stoll liefert mit ihrem Film urkomische Poesie in Kurzfilm-Form: Jie Lu erzählt, was alle Mädchen wissen: Jungs haben viel zu oft doofe Ausreden, wenn es ernst wird mit der Liebe. Die Ironie schlängelt sich durch Lus liebevoll animierte Pappfiguren und die wunderbar trotzigen Kinderdarsteller. Eine Welt, die ein bisschen an Amélie erinnert. Seufz.

Café Regular, Cairo | And I will rise if only to hold you down

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Mai 012012
 

Tolle Kurzfilme im Internationalen Wettbewerb! „Café Regular, Cairo“ von Ritesh Batra – wenige Einstellungen und zwei improvisierende Schauspieler bringen uns den ägyptischen Paarkonflikt näher. Jennifer Reeder mit „I will rise if only to hold you down“ erzählt von einer Trennung. Eine Momentaufnahme – die ins Traumhafte abgleitet, mit Bildern, die an Gregory Crewdson erinnern!

Zucht und Ordnung – Interview mit Regisseur Jan Soldat

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Apr 302012
 

Im Deutschen Wettbewerb 2 sticht „Zucht und Ordnung“ von Jan Soldat heraus – hier bei uns im Interview! Neun Minuten Kurzfilm, die von einem Rentner-S/M-Pärchen erzählen. Und der scheinbar ganz nebenbei zwei echte Typen porträtiert. Gelungen! Ebenso super: Björn Melhus mit „Das Badezimmer“: Ein ausschließlich bildliches Remake von Hitchcocks Psycho-Trailer, der Ton bleibt original…

Es gab aber auch viele Enttäuschungen – die größte: „Sounding Glass“ von Sylvia Schedelbauer. Ein Flackerfilm, der sicher Videokunst sein will, auf jeden Fall aber nichts sagt/zu sagen hat. Schade.