Silence Radio

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Nov 022013
 

Warum ein  Film über Radio-Nostalgie was mit Zukunft zu tun hat

Da ist das Radio in Deutschland doch gerade 90 Jahre alt geworden. Ein Greisenalter also, in dem man gerne an die Vergangenheit denkt. Und das meist im Ohrensessel – allein. Just da läuft im Wettbewerb für Junges Kino bei DOK Leipzig dieser Film „Silence Radio“ über ein Bürgerradio, das alten, einsamen Menschen ein letzter Lebensbegleiter ist – vor ihrem Tod.

Radio Puisaleine (Screenshot Trailer)

Im Studio von Radio Puisaleine (Screenshot Trailer)

Erinnerung on air
Das klingt nach Abgesang und Grabrede. Dennoch steckt in dem Film „Silence Radio“ von Valéry Rosier so viel mehr. Er zeigt, was Radio im besten Fall sein kann: Ein Begleiter im Leben (kein Nebenbeimedium) – in dem Fall sind es die französischen Nachkriegs-Chansons, die über die störanfällige Antenne rauschen. In denen 50 Jahre Liebe besungen und Sträuße weißer Rosen verteilt werden. Und die Erinnerung ist immer auch on air. Der Film erzählt vom Enthusiasmus der Macher von „Radio Puisaleine“ – in dem Fall keine Profis, sondern Rentner, die mit der Technik kämpfen, Lebensberatung im Radio liefern und all ihre Leidenschaft in dieses Medium stecken.

Antenne tot – Schweigen
Doch dann stirbt die Antenne. Und „Radio Puisaleine“ schweigt. Und im Ort ist es still. Und die Menschen sind allein… Diesem poetischen Dokumentarfilm, der seinen Protagonisten so nah kommt – so viel sei verraten – gelingt ein versöhnliches Ende.

Radiohörerin alter Schule (Screenshot Trailer)

Radiohörerin alter Schule (Screenshot Trailer)

Jedem sein Radio Puisaleine
Auch wenn dieser Film auf etwas anderes hinauswill – ich will dieses versöhnliche Ende gern weiterspinnen. Die Menschen brauchen auch in Zukunft so etwas wie „Radio Puisaleine“. Dann eben jeder seinen eigenen Begleiter – sein eigenes Radio: Ob mit knacksender Antenne oder als „mobiles Endgerät“. Ob linear oder do-it-yourself. Von begeisterten Machern – wie immer man das auch „produzieren“ und verteilen wird. Im Sinne dieses Films: Un bouquet des roses blanches pour la radio!

*Danke für die abrundende Inspiration meiner Gedanken an @Rugullis Artikel „Müssen wir das Radio retten? Nein.“ bei @radiomachen

Trailer „Silence Radio“

Majubs Reise, Wettbewerb DOK Leipzig

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Okt 302013
 

„Majubs Reise“, Regie: Eva Knopf, Filmakademie BW 2013

DOK-LeipzigVor der Kamera mit Hans Albers, Heinz Rühmann und Zarah Leander.  Unter der Regie von Veit Harlan in den Filmen der 1930er und 1940er Jahre. Als Statist. Als Afrikaner: Mohamed „Majub“ Hussein ist Dauer-Komparse beim deutschen NS-Propaganda-Film. Er bekommt sogar kleinere Sprechrollen. So unglaublich das klingt: Hussein blieb, was er in seinen Rollen verkörpern sollte: Eine Randerscheinung.

Eva Knopf rückt ihn in ihrer Doku in die Mitte – und erzählt die Geschichte eines Mannes, der doch eigentlich niemanden interessieren sollte. In den Filmausschnitten verkörper Hussein eine Klischeefigur, die nur dazu da war, um die Träume des deutschen weißen Mannes nach dem Platz an der Sonne zu erfüllen. Zumindest im Kino.

Mohamed Husen und Heinz Rühmann (Screenshot Trailer)

Mohamed Husen und Heinz Rühmann (Screenshot Trailer)

Immer mal wieder, so scheint es, erhascht man dort dann doch einen Blick auf den wirklichen Mohamed Hussein. Auf einen gewitzten, stolzen, mutigen Mann. Hussein kam aus Tansania, damals Deutsch-Ostafrika, ins Deutschland der 30er Jahre und nannte sich hier der Einfachheit halber „Husen“. Er hatte zu Hause als Kindersoldat unter den Deutschen im Ersten Weltkrieg gekämpft. Und er war nach Deutschland gekommen, um ausgleichende Gerechtigkeit zu finden. Ausgerechnet Anfang der 1930er Jahre…

Für die unglaubliche Geschichte Husseins hatte die Regisseurin Eva Knopf nur wenig Material. Umso erstaunlicher, wie spannend und ohne viel Effekthascherei sie die Geschichte dieses Mannes erzählt. Natürlich mit ihm in der Hauptrolle.

Trailer „Majubs Reise“